Steuerreform 2027: 8 geplante Steueränderungen und was Unternehmer tun
Die Steuerreform 2027 bringt höhere Freibeträge, einen flacheren Tarif und neue Spitzensätze. Wir zeigen dir, was geplant ist, was schon gilt und wo du jetzt handeln solltest.
Die Steuerreform 2027 ist auf dem Weg, und sie betrifft nicht nur Arbeitnehmer. Als Unternehmer zahlst du Einkommensteuer auf deinen Gewinn, als Arbeitgeber rechnest du Löhne ab, und als Investor planst du Abschreibungen. Wer jetzt die Weichen stellt, nutzt die Änderungen zu seinem Vorteil.
Dieser Beitrag ordnet ein, was das Bundeskabinett beschlossen hat, was davon noch offen ist und welche bereits geltenden Regeln für 2027 wichtig sind. Du erfährst, wo du handeln solltest und wo Abwarten klüger ist.
Kurz gesagt: Die Steuerreform 2027 ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, den das Kabinett am 2. September 2026 beschlossen hat. Er hebt Grundfreibetrag, Kindergeld und Arbeitnehmer-Pauschbetrag an, flacht den Tarif für mittlere Einkommen ab und verschärft die Besteuerung sehr hoher Einkommen. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.
Welche Steueränderungen sind für 2027 geplant?
Im Zentrum steht die Einkommensteuerreform 2027. Laut Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums ergibt sich ein Entlastungsvolumen von rund 10 Milliarden Euro. Die Entlastungen kommen in zwei Stufen und wirken ab dem Jahr 2028 vollumfänglich.
Daneben laufen Regeln aus dem bereits beschlossenen Investitionssofortprogramm weiter, die 2027 eine wichtige Rolle spielen. Für deine Planung zählen beide Ebenen: das, was kommen soll, und das, was schon gilt.
Die Eckpunkte der Steuerreform 2027 im Überblick
- Grundfreibetrag: steigt auf 12.564 Euro im Jahr 2027 und auf 12.900 Euro im Jahr 2028.
- Tarifverlauf: Die zweite Progressionszone wird bis 70.600 Euro abgeflacht.
- Reichensteuer: Der Satz von 45 Prozent soll bereits ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen gelten.
- Neuer Spitzensatz: Ab 280.000 Euro ist ein Satz von 47 Prozent vorgesehen.
- Kindergeld: steigt von 259 Euro auf 267 Euro (2027) und 272 Euro (2028) je Kind und Monat.
- Kinderfreibeträge: 10.056 Euro (2027) und 10.236 Euro (2028).
- Arbeitnehmer-Pauschbetrag: steigt von 1.230 auf 1.430 Euro.
- Sonn- und Feiertagszuschläge: Der maximal steuerfrei berücksichtigte Stundenlohn steigt von 50 auf 75 Euro.
Was noch offen ist
Die Steuerreform 2027 ist noch kein geltendes Recht. Der Entwurf durchläuft jetzt das parlamentarische Verfahren, und dort sind Änderungen üblich. Gerade bei den Sätzen für hohe Einkommen ist mit Diskussionen zu rechnen.
Plane deshalb mit Szenarien statt mit festen Werten. Rechne einmal mit dem Entwurf und einmal mit dem geltenden Recht. So siehst du, wie stark dich die Steuerreform 2027 im besten und im ungünstigsten Fall betrifft.
Verfolge außerdem die Stellungnahmen der Länder im Bundesrat. Da die Einkommensteuer Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam zusteht, haben die Länder ein starkes Interesse an der Ausgestaltung. Kompromisse im Vermittlungsverfahren sind deshalb nicht ausgeschlossen.
Was die Steuerreform 2027 für Unternehmer bedeutet
Viele Mittelständler führen ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft. Ihre Gewinne unterliegen der Einkommensteuer, deshalb wirkt der neue Tarif direkt auf das Unternehmensergebnis nach Steuern. Bei Kapitalgesellschaften trifft die Reform vor allem Geschäftsführergehälter und Ausschüttungen.
Einzelunternehmer und Personengesellschaften
Für Inhaber mit mittleren Gewinnen bringt die Abflachung des Tarifs eine spürbare Entlastung. Wer dagegen sehr hohe Gewinne versteuert, sollte genau rechnen. Die geplante frühere Reichensteuer und der neue Spitzensatz können die Steuerlast für diese Gruppe erhöhen.
- Prüfe, in welcher Tarifzone dein Gewinn voraussichtlich liegt.
- Kläre mit deiner Steuerberatung, ob sich Gewinne zeitlich verlagern lassen.
- Bewerte, ob eine andere Rechtsform langfristig sinnvoll sein könnte.
GmbH-Gesellschafter und Geschäftsführer
Für Gesellschafter-Geschäftsführer stellt sich die klassische Frage neu: Gehalt oder Ausschüttung? Die Steuerreform 2027 verändert die Einkommensteuer auf das Gehalt. Die Körperschaftsteuer der GmbH folgt dagegen einem eigenen Fahrplan, der bereits beschlossen ist.
Laut BMF-Monatsbericht zum Investitionssofortprogramm sinkt der Körperschaftsteuersatz ab dem 1. Januar 2028 jährlich um einen Prozentpunkt, von 15 auf 10 Prozent bis 2032. Für 2027 gilt also noch der bisherige Satz.
Daraus ergibt sich eine interessante Planungsfrage. Gewinne, die eine GmbH erst ab 2028 erzielt, werden auf Gesellschaftsebene niedriger besteuert. Gleichzeitig kann die Steuerreform 2027 die persönliche Belastung bei Ausschüttung oder Gehalt verändern. Lass dir beide Ebenen gemeinsam durchrechnen, bevor du über Gehaltsanpassungen oder Ausschüttungen entscheidest.
Rechtsformwahl nicht überstürzen
Ein Wechsel der Rechtsform nur wegen der Steuerreform 2027 ist selten sinnvoll. Umwandlungen verursachen Beratungskosten, verändern Haftung und Buchführung und lassen sich nicht einfach rückgängig machen. Sinnvoll ist ein Vergleich über mehrere Jahre, der auch die sinkende Körperschaftsteuer ab 2028 berücksichtigt.
Frage dich dabei nicht nur, was steuerlich günstiger ist. Entscheidend sind auch Nachfolgepläne, Finanzierung und die Zahl der Gesellschafter. Eine gute Steuerberatung bezieht diese Punkte ein und rechnet mit realistischen Gewinnannahmen statt mit Spitzenjahren.
Bereits beschlossen: Regeln, die 2027 gelten
Neben der geplanten Steuerreform 2027 gibt es Änderungen, die schon im Gesetz stehen. Sie bieten dir mehr Planungssicherheit als der Entwurf. Einige davon laufen Ende 2027 aus, deshalb ist dieses Jahr für Investitionsentscheidungen besonders wichtig.
Degressive Abschreibung nutzen
Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, ist eine degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent möglich. Planst du Maschinen, Fahrzeuge oder IT-Ausstattung, kann sich ein Kauf vor Ende 2027 lohnen.
Sonderabschreibung für Elektrofahrzeuge
Für Elektrofahrzeuge, die zwischen Juli 2025 und Dezember 2027 angeschafft werden, sieht das Programm im Jahr der Anschaffung einen Abschreibungssatz von 75 Prozent vor. Zusätzlich steigt die Preisgrenze für begünstigte Dienstwagen von 70.000 auf 100.000 Euro.
Thesaurierung und Forschungszulage
Personenunternehmen, die Gewinne im Betrieb belassen, profitieren später von einem sinkenden Thesaurierungssatz. Er fällt in Etappen ab 2028 auf 25 Prozent ab 2032. Bei der Forschungszulage steigt der Höchstbetrag der Bemessungsgrundlage ab 2026 von 10 auf 12 Millionen Euro.
Investitionsplanung mit der Steuerreform 2027 verzahnen
Abschreibungen mindern deinen Gewinn und damit deine Steuerlast. Wenn die Steuerreform 2027 deinen persönlichen Steuersatz verändert, verändert sich auch der Wert jeder Abschreibung. Für Inhaber mit hohen Gewinnen kann eine Investition vor einer möglichen Belastung durch höhere Spitzensätze besonders attraktiv sein.
Entscheide trotzdem nie allein aus steuerlichen Gründen. Eine Maschine, die du nicht brauchst, bleibt eine Fehlinvestition, auch wenn sie schnell abgeschrieben wird. Prüfe zuerst den betrieblichen Nutzen und erst danach den Zeitpunkt.
- Welche Anschaffungen sind ohnehin für 2027 oder 2028 geplant?
- Lassen sich Lieferzeiten so steuern, dass die Anschaffung rechtzeitig erfolgt?
- Ist die Finanzierung gesichert, ohne die Liquidität zu überdehnen?
Steuerreform 2027: Auswirkungen auf Lohnabrechnung und Personal
Als Arbeitgeber spürst du die Reform in der Lohnabrechnung. Ein höherer Grundfreibetrag und ein flacherer Tarif erhöhen das Nettogehalt deiner Beschäftigten, ohne dass dein Bruttoaufwand steigt. Das ist ein Argument, das du in Gehaltsgesprächen nutzen kannst.
Was in der Personalabteilung zu tun ist
- Software prüfen: Kläre mit deinem Lohnanbieter, wann die neuen Werte eingespielt werden.
- Zuschläge überprüfen: Wer Sonn- und Feiertagsarbeit bezahlt, sollte die neue Grenze für steuerfreie Zuschläge im Blick behalten.
- Beschäftigte informieren: Erkläre frühzeitig, warum sich das Netto verändert.
- Vergütung neu denken: Nutze die Gelegenheit, Benefits und Gehaltsstrukturen zu überprüfen.
Familien und Pendler im Team
Beschäftigte mit Kindern profitieren durch das höhere Kindergeld und die höheren Kinderfreibeträge. Der höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag erleichtert vielen Angestellten die Steuererklärung, weil sie weniger Werbungskosten einzeln nachweisen müssen. Diese Punkte kannst du in der internen Kommunikation zur Steuerreform 2027 aufgreifen.
Die Entlastung kann auch beim Recruiting helfen. Wie du im Wettbewerb um Talente punktest, liest du in unserem Beitrag zum Fachkräftemangel. Mehr Netto vom Brutto ist dabei ein Baustein, ersetzt aber keine gute Führung.
Wer von der Steuerreform 2027 profitiert und wer nicht
Die Reform verteilt die Last neu. Der Entwurf setzt bewusst bei kleinen und mittleren Einkommen sowie bei Familien an. Für sehr hohe Einkommen sieht er dagegen eine stärkere Belastung vor. Für dich als Entscheider lohnt es sich, beide Seiten zu kennen, weil du sowohl Steuerzahler als auch Arbeitgeber bist.
- Eher entlastet: Beschäftigte mit kleinen und mittleren Einkommen, Familien mit Kindern, Arbeitnehmer mit wenigen Werbungskosten.
- Je nach Höhe unterschiedlich: Inhaber von Personenunternehmen, deren Gewinn stark schwankt.
- Eher belastet: Steuerpflichtige mit zu versteuernden Einkommen oberhalb der geplanten neuen Schwellen.
Für den Mittelstand ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Viele Inhaber liegen in guten Jahren über den neuen Schwellen und in schwächeren darunter. Deshalb ist eine mehrjährige Betrachtung wichtiger als der Blick auf ein einzelnes Jahr.
So bereitest du dich auf die Steuerreform 2027 vor
Gute Vorbereitung beginnt mit Zahlen. Lass dir für dein Unternehmen und für dich als Privatperson durchrechnen, wie sich die Steuerreform 2027 auswirkt. Danach entscheidest du, welche Maßnahmen sich lohnen und welche du besser verschiebst.
Deine Checkliste für das Jahresende
- Investitionen bis Ende 2027 auf die degressive Abschreibung prüfen
- Gewinnprognose für 2026, 2027 und 2028 erstellen
- Szenarien mit und ohne Steuerreform 2027 rechnen
- Ausschüttungspolitik der GmbH mit Blick auf 2028 überdenken
- Lohnsoftware und Prozesse rechtzeitig anpassen
- Steuervorauszahlungen bei geändertem Gewinn anpassen lassen
Steuerliche Effekte wirken sich auf deine Liquidität aus. Ändern sich Vorauszahlungen oder verschiebst du Investitionen, sollte das in deiner Planung sichtbar sein. Wie du das sauber abbildest, zeigt unser Beitrag zur Liquiditätsplanung.
Nach dem Beschluss nachsteuern
Sobald Bundestag und Bundesrat entschieden haben, solltest du deine Planung aktualisieren. Prüfe dann, ob sich Grenzwerte, Sätze oder Stichtage gegenüber dem Entwurf verändert haben. Lege dir dafür schon jetzt einen Termin mit deiner Steuerberatung in den Kalender.
Halte außerdem fest, welche Entscheidungen du auf Basis des Entwurfs getroffen hast. So kannst du später nachvollziehen, ob die Annahmen zur Steuerreform 2027 gehalten haben, und bei Bedarf schnell gegensteuern.
Digitale Pflichten nicht vergessen
Nicht jede Änderung für 2027 betrifft den Steuersatz. Für viele Unternehmen beginnt die nächste Stufe der E-Rechnungspflicht. Wenn du die Umstellung noch nicht abgeschlossen hast, findest du in unserem Beitrag zur E-Rechnung im B2B einen Fahrplan. Verbinde beide Projekte, denn beide betreffen deine Buchhaltung.
Fazit: Steuerreform 2027 mit Szenarien planen
Die Steuerreform 2027 entlastet vor allem kleine und mittlere Einkommen sowie Familien, während sehr hohe Einkommen stärker belastet werden sollen. Noch ist das Gesetzgebungsverfahren nicht abgeschlossen, und Details können sich ändern. Sicher planen kannst du dagegen mit den bereits beschlossenen Regeln zu Abschreibungen und zur Körperschaftsteuer.
Nutze die kommenden Wochen, um Investitionen, Gewinnverteilung und Lohnprozesse zu prüfen. Rechne mit Szenarien, entscheide auf Basis belastbarer Zahlen und bleibe flexibel, bis das Gesetz verabschiedet ist. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuerberatung.
FAQ: Häufige Fragen zu Steuerreform 2027
Welche Steueränderungen sind 2027 geplant?
Geplant ist vor allem die Einkommensteuerreform 2027. Sie hebt laut Kabinettsentwurf den Grundfreibetrag auf 12.564 Euro, erhöht Kindergeld und Arbeitnehmer-Pauschbetrag und flacht den Tarif für mittlere Einkommen ab. Sehr hohe Einkommen sollen stärker belastet werden. Bundestag und Bundesrat müssen dem Entwurf noch zustimmen, Änderungen sind möglich.
Wann tritt die Steuerreform 2027 in Kraft?
Laut Bundesfinanzministerium sollen die Entlastungen in zwei Stufen kommen und ab dem Jahr 2028 vollumfänglich wirken. Voraussetzung ist, dass Bundestag und Bundesrat das Gesetz verabschieden. Bis dahin handelt es sich um einen Regierungsentwurf. Plane deshalb mit Szenarien und prüfe nach dem Beschluss, ob sich Details geändert haben.
Was bedeutet die Steuerreform 2027 für Unternehmer?
Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften versteuern ihren Gewinn mit der Einkommensteuer. Mittlere Gewinne werden durch den flacheren Tarif entlastet, sehr hohe Gewinne könnten durch die geplanten Spitzensätze stärker belastet werden. Für GmbHs gilt ein eigener, bereits beschlossener Fahrplan zur Senkung der Körperschaftsteuer ab 2028.
Welche Abschreibungsregeln gelten noch bis Ende 2027?
Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, ist eine degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent möglich. Für Elektrofahrzeuge mit Anschaffung bis Dezember 2027 gilt eine Sonderabschreibung von 75 Prozent im ersten Jahr. Geplante Investitionen solltest du darauf prüfen.
Wie sollten sich Arbeitgeber vorbereiten?
Kläre mit deinem Lohnanbieter, wann die neuen Werte in der Software umgesetzt werden. Prüfe Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit und informiere deine Beschäftigten frühzeitig über Änderungen beim Netto. Nutze die Gelegenheit außerdem, Vergütungsstrukturen und Benefits zu überprüfen, um im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiv zu bleiben.
