Management

Krankenstand senken: 4 Schritte, wenn Mitarbeiter oft krank sind

Was tun, wenn Mitarbeiter oft krank sind? Wir zeigen, wie du Ursachen erkennst, Rückkehrgespräche führst, ein BEM aufsetzt und den Krankenstand dauerhaft senkst.

Von Eva Lindner 10 Min. Lesezeit
Kranker Mann sitzt am Schreibtisch und trinkt aus einer Tasse, Symbolbild für hohen Krankenstand

Wenn dieselben Namen immer wieder auf der Abwesenheitsliste stehen, gerät jede Planung ins Wanken. Ein hoher Krankenstand belastet nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Kolleginnen und Kollegen, die Lücken füllen müssen. Viele Führungskräfte schwanken dann zwischen Fürsorge und Frust.

Die gute Nachricht: Du hast mehr Handlungsspielraum, als du vielleicht denkst. Wer Ursachen versteht, Gespräche richtig führt und die rechtlichen Instrumente kennt, kann viel bewegen, ohne Vertrauen zu zerstören.

Kurz gesagt: Wenn Mitarbeitende oft krank sind, solltest du zuerst die Ursachen klären, dann das Gespräch suchen und bei längeren Ausfällen ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten. Parallel senkst du den Krankenstand dauerhaft, indem du Arbeitsbedingungen, Führung und Teamklima verbesserst. Arbeitsrechtliche Schritte sind das letzte Mittel, nicht das erste.

Was tun, wenn Mitarbeiter oft krank sind?

Der erste Impuls ist oft Misstrauen. Doch die meisten Fehlzeiten haben echte Gründe, von Infekten über chronische Erkrankungen bis zu Überlastung. Wer pauschal unterstellt, dass jemand blau macht, verliert Loyalität und treibt gute Leute aus dem Unternehmen.

Gehe deshalb systematisch vor. Unterscheide zwischen einem allgemein hohen Krankenstand im Team und einzelnen Personen mit auffälligen Fehlzeiten. Beides verlangt unterschiedliche Antworten.

Teamproblem oder Einzelfall?

Ein erhöhter Krankenstand in einer ganzen Abteilung deutet fast immer auf strukturelle Ursachen hin. Hier helfen keine Einzelgespräche, sondern ein Blick auf Arbeitslast, Abläufe und Führung. Fällt dagegen nur eine Person auf, steht das individuelle Gespräch im Vordergrund. Vermische beide Ebenen nicht, sonst fühlen sich Einzelne für ein Problem verantwortlich gemacht, das eigentlich die Organisation lösen muss.

Vergleiche außerdem über längere Zeiträume. Ein einzelner Winter mit einer starken Erkältungswelle sagt wenig über die Gesundheit im Team aus. Erst wenn der Krankenstand über mehrere Quartale erhöht bleibt, hast du ein belastbares Signal.

Die vier Schritte im Überblick

  1. Daten sichten: Werte Fehlzeiten anonymisiert nach Teams, Zeiträumen und Mustern aus.
  2. Gespräch führen: Sprich nach der Rückkehr wertschätzend mit der betroffenen Person.
  3. Unterstützung anbieten: Prüfe Anpassungen am Arbeitsplatz und biete bei längeren Ausfällen ein BEM an.
  4. Ursachen beheben: Ändere Arbeitsbedingungen, die krank machen, statt nur Symptome zu verwalten.

Ursachen für einen hohen Krankenstand erkennen

Ein Krankenstand ist ein Symptom, keine Diagnose. Hinter wiederkehrenden Fehlzeiten stecken oft Faktoren, die du als Führungskraft beeinflussen kannst. Ehrliche Analyse ist deshalb der wichtigste Schritt.

Typische Ursachen im Betrieb

  • Arbeitsbelastung: Dauerhafte Überstunden, unklare Prioritäten und fehlende Pausen zehren an der Gesundheit.
  • Führungsverhalten: Fehlende Anerkennung, Kontrolle statt Vertrauen und unfaire Behandlung erhöhen Fehlzeiten.
  • Teamkonflikte: Ungelöste Spannungen führen zu Stress und innerem Rückzug.
  • Ergonomie: Körperliche Belastungen, Lärm oder schlechte Arbeitsplätze verursachen Beschwerden.
  • Private Belastungen: Pflege von Angehörigen oder persönliche Krisen wirken in den Job hinein.

Achte auf Muster. Häufen sich Fehltage in einem Team, nach Schichtwechseln oder in bestimmten Projektphasen, spricht das eher für betriebliche Ursachen. Fällt eine einzelne Person regelmäßig aus, lohnt sich ein persönliches Gespräch.

Hilfreich sind auch anonyme Mitarbeiterbefragungen. Sie zeigen, wo sich Beschäftigte überlastet fühlen, bevor sich das im Krankenstand niederschlägt. Wichtig ist, dass du die Ergebnisse ernst nimmst und sichtbar Maßnahmen ableitest, sonst sinkt die Bereitschaft zur Teilnahme beim nächsten Mal.

Datenschutz bei der Auswertung

Gesundheitsdaten sind besonders geschützt. Werte Fehlzeiten deshalb möglichst aggregiert aus und beschränke den Zugriff auf wenige Personen. Diagnosen gehen dich als Arbeitgeber grundsätzlich nichts an, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthält sie aus gutem Grund nicht.

Die Kosten realistisch einschätzen

Ein hoher Krankenstand kostet mehr als die Lohnfortzahlung. Hinzu kommen Überstunden der Vertretungen, verschobene Liefertermine, Fehler durch Überlastung und im schlimmsten Fall Kündigungen von Leistungsträgern, die das dauerhafte Einspringen satthaben. Wer diese Folgekosten grob beziffert, findet leichter Budget für Prävention.

Rechne dazu mit einfachen Annahmen: Wie viele Stunden fallen pro Monat aus, wie viel Mehrarbeit entsteht im Team, welche Aufträge verzögern sich? Schon eine überschlägige Rechnung zeigt meist, dass sich Investitionen in Gesundheit und Führung lohnen.

Das Rückkehrgespräch richtig führen

Ein gut geführtes Gespräch nach der Rückkehr ist eines der wirksamsten Werkzeuge gegen einen steigenden Krankenstand. Es signalisiert Interesse und gibt Raum, über Belastungen zu sprechen. Entscheidend ist der Ton: Willkommen statt Verhör.

Führe das Gespräch zeitnah, am besten am ersten oder zweiten Arbeitstag nach der Rückkehr. Wähle einen ruhigen Ort und plane genug Zeit ein. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel wirkt wie eine Pflichtübung und bringt keine neuen Erkenntnisse.

Führe Rückkehrgespräche mit allen Beschäftigten, nicht nur mit auffälligen Fällen. So vermeidest du den Eindruck, einzelne Personen gezielt unter Druck zu setzen. Gleichzeitig entsteht eine Routine, in der Gesundheit selbstverständlich Thema sein darf und der Krankenstand nicht zum Tabu wird.

  • Begrüße die Person und frage, wie es ihr geht, ohne nach der Diagnose zu fragen.
  • Informiere über Neuigkeiten und Veränderungen während der Abwesenheit.
  • Frage offen, ob etwas am Arbeitsplatz zur Erkrankung beigetragen haben könnte.
  • Biete konkrete Unterstützung an und vereinbare bei Bedarf einen Folgetermin.

Eine offene Gesprächskultur erleichtert solche Situationen enorm. Wie du sie im Alltag stärkst, beschreibt unser Beitrag zur Feedbackkultur im Team. Wer regelmäßig ehrlich spricht, muss Probleme nicht erst nach einer Krankmeldung ansprechen.

Was du nicht fragen darfst

Mitarbeitende müssen dir ihre Diagnose nicht nennen. Vermeide Fragen, die Druck aufbauen oder als Vorwurf wirken. Gesundheitsbezogene Angaben, die freiwillig gemacht werden, behandelst du vertraulich und dokumentierst sie nur, wenn es wirklich nötig ist.

Betriebliches Eingliederungsmanagement bei hohem Krankenstand

Bei längeren Ausfällen sieht das Gesetz ein strukturiertes Verfahren vor. Laut Bundesarbeitsministerium musst du ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Die Pflicht gilt für Betriebe jeder Größe.

Für die Beschäftigten ist das BEM freiwillig. Niemand kann zur Teilnahme gezwungen werden. Dein Angebot musst du aber nachweisbar machen, denn ein fehlendes BEM kann dir in einem späteren Kündigungsschutzverfahren schaden.

So läuft ein BEM ab

  1. Einladung: Du informierst schriftlich über Ziele, Ablauf und Datenschutz.
  2. Erstgespräch: Gemeinsam klärt ihr, ob und wie die Arbeit gesundheitliche Probleme beeinflusst.
  3. Maßnahmen: Mögliche Schritte reichen von angepassten Arbeitszeiten bis zu technischen Hilfsmitteln.
  4. Umsetzung und Überprüfung: Ihr verfolgt, ob die Maßnahmen wirken, und passt sie bei Bedarf an.

Beteiligt werden können je nach Fall Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung, Betriebsarzt und Rehabilitationsträger. Ein BEM ist kein Kontrollinstrument, sondern eine Chance, Fachkräfte langfristig zu halten.

BEM als System statt Einzelfall

Viele kleinere Betriebe starten ein BEM erst, wenn der konkrete Fall eintritt. Besser ist ein festes Verfahren mit Vorlagen für Einladung, Gesprächsleitfaden und Dokumentation. So reagierst du schneller, behandelst alle Beschäftigten gleich und kannst später belegen, dass du deine Pflicht erfüllt hast. Mit einem Betriebsrat lässt sich das Verfahren in einer Betriebsvereinbarung regeln.

Den Krankenstand im Team nachhaltig senken

Einzelgespräche helfen im Einzelfall. Um den Krankenstand insgesamt zu senken, musst du an den Rahmenbedingungen arbeiten. Gesundheit ist zu einem großen Teil eine Frage der Arbeitsorganisation und der Führung.

Setze dir messbare Ziele und verfolge den Krankenstand über mehrere Jahre. Vergleiche Teams untereinander, aber ohne öffentliches Ranking, das Druck erzeugt. Entscheidend ist der Trend: Sinkt der Krankenstand nach deinen Maßnahmen, bist du auf dem richtigen Weg.

  • Belastung steuern: Plane realistische Kapazitäten und setze klare Prioritäten.
  • Flexibilität ermöglichen: Gleitzeit oder mobiles Arbeiten helfen, Beruf und Privatleben zu vereinbaren.
  • Gesundheit fördern: Ergonomische Arbeitsplätze, Bewegungsangebote und Vorsorge zeigen Wertschätzung.
  • Führungskräfte schulen: Gute Führung ist der stärkste Hebel gegen psychische Belastung.

Gerade die psychische Widerstandskraft im Team verdient Aufmerksamkeit. Unser Beitrag zur Resilienz im Führungsteam zeigt, wie du Belastungen auffängst, bevor sie krank machen.

Schnelle Maßnahmen für die nächsten Wochen

  • Sprich in der nächsten Teamrunde offen über Arbeitslast und frage nach den größten Zeitfressern.
  • Streiche oder verschiebe mindestens ein Projekt, das gerade nicht dringend ist.
  • Vereinbare klare Vertretungsregeln, damit Ausfälle nicht immer dieselben Personen treffen.
  • Prüfe mit dem Betriebsarzt, welche Vorsorgeangebote ihr kurzfristig machen könnt.

Solche Schritte senken den Krankenstand nicht über Nacht. Sie zeigen deinem Team aber, dass du die Belastung ernst nimmst, und schaffen Vertrauen für größere Veränderungen.

Der Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel

Ein dauerhaft hoher Krankenstand verschärft Personalengpässe. Wer ausfällt, belastet die anderen, die dann ebenfalls häufiger krank werden. Diese Spirale kannst du nur durchbrechen, wenn du Gesundheit als strategisches Thema verstehst. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über den Fachkräftemangel und seine Hebel.

Präsentismus nicht übersehen

Ein niedriger Krankenstand ist nicht automatisch ein gutes Zeichen. Wenn Beschäftigte krank zur Arbeit kommen, weil sie Angst um ihren Job haben oder das Team nicht im Stich lassen wollen, verschleppen sie Erkrankungen und stecken andere an. Mach deshalb klar, dass Auskurieren erwünscht ist. Gehe als Führungskraft mit gutem Beispiel voran und bleib selbst zu Hause, wenn du krank bist.

Arbeitsrechtliche Optionen als letztes Mittel

Manchmal reichen Gespräche und Unterstützung nicht aus. Dann stellt sich die Frage nach arbeitsrechtlichen Schritten. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Hürden sind hoch.

Begründete Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit

Hast du konkrete Anhaltspunkte, dass eine Krankmeldung nicht stimmt, kannst du die Krankenkasse um eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst bitten. Typische Anlässe sind auffällige Häufungen an Brückentagen oder Hinweise auf eine Nebentätigkeit während der Krankschreibung. Ein bloßes Bauchgefühl reicht nicht.

Krankheitsbedingte Kündigung

Eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen ist möglich, aber an strenge Voraussetzungen gebunden. Arbeitsgerichte prüfen, ob eine negative Gesundheitsprognose besteht, ob die Ausfälle den Betrieb erheblich beeinträchtigen und ob die Interessenabwägung zulasten der Beschäftigten ausfällt. Ohne vorheriges BEM-Angebot hast du in der Regel schlechte Karten.

Prüfe vor jedem Schritt mildere Mittel. Dazu gehören eine Versetzung auf einen weniger belastenden Arbeitsplatz, reduzierte Arbeitszeit oder technische Hilfen. Gerichte erwarten, dass du solche Alternativen ernsthaft geprüft hast, bevor du das Arbeitsverhältnis beendest.

Hole dir in dieser Phase unbedingt fachkundige Unterstützung. Fehler im Verfahren sind teuer und kosten zudem Vertrauen in der gesamten Belegschaft.

Fazit: Den Krankenstand mit Fürsorge und Klarheit senken

Wenn Mitarbeitende oft krank sind, helfen weder Misstrauen noch Wegsehen. Analysiere Muster, führe wertschätzende Rückkehrgespräche und biete bei längeren Ausfällen ein BEM an. So erkennst du Ursachen früh und hältst wertvolle Fachkräfte im Unternehmen.

Langfristig senkst du den Krankenstand vor allem über gute Führung, realistische Belastung und ein gesundes Teamklima. Arbeitsrechtliche Schritte bleiben das letzte Mittel. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

FAQ: Häufige Fragen zu Krankenstand

Was tun, wenn Mitarbeiter oft krank sind?

Analysiere zuerst die Fehlzeiten auf Muster und führe nach jeder Rückkehr ein wertschätzendes Gespräch. Biete Unterstützung an und prüfe Anpassungen am Arbeitsplatz. Bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb eines Jahres musst du ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten. Arbeitsrechtliche Schritte kommen erst ganz am Ende infrage.

Wie kann ich den Krankenstand im Unternehmen senken?

Den Krankenstand senkst du am wirksamsten über bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören realistische Arbeitsbelastung, klare Prioritäten, flexible Arbeitszeiten und ergonomische Arbeitsplätze. Ebenso wichtig ist gute Führung mit Anerkennung und offenem Feedback. Ergänzend helfen Gesundheitsangebote und geschulte Führungskräfte, die Belastungen früh erkennen.

Darf ich nach der Diagnose fragen?

Nein, Beschäftigte müssen dir ihre Diagnose nicht mitteilen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthält sie bewusst nicht. Im Rückkehrgespräch darfst du nach dem Befinden fragen und klären, ob betriebliche Faktoren eine Rolle spielen. Freiwillige Angaben zur Gesundheit behandelst du vertraulich und dokumentierst sie nur, wenn es wirklich erforderlich ist.

Wann ist ein BEM bei hohem Krankenstand Pflicht?

Laut Bundesarbeitsministerium musst du ein BEM anbieten, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Das gilt für Betriebe jeder Größe. Für die Beschäftigten ist die Teilnahme freiwillig. Dokumentiere dein Angebot sorgfältig, weil es in späteren Verfahren eine wichtige Rolle spielt.

Kann ich wegen häufiger Krankheit kündigen?

Eine krankheitsbedingte Kündigung ist möglich, aber an hohe Hürden gebunden. Gerichte prüfen eine negative Gesundheitsprognose, erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen und eine Interessenabwägung. Ein fehlendes BEM-Angebot schwächt deine Position deutlich. Hole dir vor einem solchen Schritt immer arbeitsrechtliche Beratung, um teure Verfahrensfehler zu vermeiden.

Ressort Management

Eva Lindner

Eva Lindner schreibt im Ressort Management über Führung, Organisation, Personal und Unternehmenskultur.

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